Zweckverband zu Wasserversorgung „Heidenberg-Gruppe“ feiert 60-jähriges Bestehen – Trinkwasser kostbarstes Gut – steiniger Weg in der Gründerzeit – viele Herausforderungen – regionale Versorgung stärken

KAMMERSTEIN/BÜCHENBACH/ABENBERG - Dankbarkeit war an diesem Abend überall spürbar. Die Versorgung mit Trinkwasser war in der Nachkriegszeit im Kammersteiner Land völlig unzureichend. Die Brunnen in den 29 Dörfern des Versorgungsgebiets waren nicht schützbar, stellten eine ständige Gefahr für Seuchen dar und lagen in trockenen Sommern oft trocken. Vor 60 Jahren wurde deshalb der Zweckverband zur Wasserversorgung „Heidenberg-Gruppe“ nach einem langen Anlauf gegründet. Grund genug im Rahmen eines Jubiläumsabends an die Anfänge zu erinnern und den Männern der ersten Stunde für ihren Mut und ihre Weitsicht zu danken.

Heute versorgt der Zweckverband zur Wasserversorgung „Heidenberg-Gruppe“ die Menschen in 29 Dörfern der Gemeinden Kammerstein, Büchenbach sowie der Stadt Abenberg. Die Gemeinde Rohr bezieht als Wassergast für die Orte der Altgemeinde Prünst ihr Trinkwasser aus den fünf Brunnen im Aurachtal südlich des Heidenbergs. Das Wasserhaus und der Sitz des Verbandes ist in Götzenreuth.

Eröffnet wurde die Jubiläumsveranstaltung mit einem geistlichen Wort der Barthelmesauracher Pfarrerin Judith Köhler. In ihrer Ansprache brachte sie die Dankbarkeit für das saubere Trinkwasser zum Ausdruck, dass die Menschen in Deutschland jeden Tag genießen dürfen. Wasser sei ein kostbares Gut. Schon in der Bibel gebe es mehrere Texte, die den Wert des Wassers preisen. So sei das Wasser aus biblischer Sicht ein Bild für alles, was der Mensch zum Leben brauche. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Kammersteiner Blasmusik und den Jagdhornbläsern Günzersreuth-Albersreuth.

Verbundleitung sorgt für Versorgungssicherheit

In seiner Ansprache dankte Verbandsvorsitzender Walter Schnell allen die sich in diesen 60 Jahren in den Dienst der Trinkwasserversorgung gestellt haben. Schnell: „Die Mitglieder der Verbandsversammlung haben immer wieder zukunftsorientierte und wegweisende Entscheidungen getroffen. Alle Investitionen konnten wegen einer sparsamen Haushaltsführung bislang ohne Verbesserungsbeiträge getätigt werden. Ein Beispiel dafür ist die geplante Verbundleitung mit der Büchenbach-Aurach-Gruppe, die die Versorgungssichert im Krisenfall verbessern soll.“ Die Pläne seien weit gediehen, eine erfreulich hohe Förderzusage nach der neuen RZWas 2025 durch des Wasserwirtschaftsamtes liege vor. Die geschätzten Kosten liegen bei 690.000 Euro, nach dem Förderbescheid werden 466.000 Euro als Zuschüsse erwartet. Daher könne 2026 mit dem Bau begonnen werden.

Steiniger Weg bis zur Gründung

Walter Schnell schilderte in seinem Rückblick auch die Geschichte der Wasserversorgung im Verbandsgebiet. Schon 1952 wurden Verbesserungen bei der Wasserversorgung durch den Kammersteiner Gemeinderat und staatliche Zuwendungen gefordert. Große Wassernot, verunreinigte Brunnen und fehlendes Löschwasser für den Brandschutz verhinderten die Entwicklung in den Dörfern. Daher gab es mehrere Versuche gemeinschaftliche Anlagen zu errichten, die allerdings nicht zielführend waren. 1959 wurde der behördliche Druck immer größer. So hieß es in einem Schreiben des Wasserwirtschaftsamtes: „Für evtl. Katastrophenfalle trägt allein der Gemeinderat hierfür die Verantwortung.“ Seitens der Behörden wurde als wirtschaftlichste Lösung eine zentrale Wasserversorgung für die Altgemeinde Kammerstein vorgeschlagen.

Schließlich wurde der Zweckverband am 19. November 1965 auf Initiative von Landrat Franz-Peter Seifert im Evang. Vereinshaus in Schwabach aus der Taufe gehoben. Die Gründungsväter waren die Repräsentanten der Altgemeinden Barthelmesaurach, Ebersbach, Günzersreuth, Kammerstein und Volkersgau. Seifert erklärte damals, dass er es bedauere, dass sich die Gemeinden Prünst und Gustenfelden nicht von den Vorteilen einer zentralen Wasserversorgung überzeugen ließen. 

Zum ersten Verbandsvorsitzenden wurde Hans Miehling aus Neppersreuth gewählt. Ihm folgten als Verbandsvorsitzende Leonhard Schnell und Egon Braun.  Der Zweckverband hatte in 60 Jahren erst vier Verbandsvorsitzende. Diese Kontinuität zeichne den Verband aus. Um schneller an Fördertöpfe heranzukommen änderte der Zweckverband kurzzeitig von 1966 – 1968 seinen Namen in Zweckverband zur Wasserversorgung der Bechhofen-Gauchsdorf-Gruppe.

Große Herausforderungen

Viel Kritik gab es damals aus der Bürgerschaft wegen der Herstellungsbeiträge. In einem Kommentar im ST aus dem Jahr 1967 hieß es: „Die verantwortlichen Männer haben den Kopf in der Schlinge“ und „Kein Wasser, aber Schulden.“ Herausforderungen gebe es, so Walter Schnell auch heute. Mit einem Entwicklungskonzept, einer Anpassung der Wasserschutzgebiete und der Trinkwassereinzugsgebieteverordnung werde man den Schutz des Trinkwassers optimieren und der landesweit steigenden Nitratbelastung begegnen. Dazu brauche man den Staat als verlässlichen Partner zum Schutz des Grundwassers. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Oktober 2025 müssen Bund und Länder ein Nationales Aktionsprogramm zum Schutz der Gewässer vor Nitrat erstellen. Ebenso habe das Bundesverwaltungsgericht die Bayerischen Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung vor wenigen Tagen für unwirksam erklärt.

In der Zusammenarbeit mit anderen Wasserversorgern sieht Walter Schnell einen guten Weg für die Zukunft. „Wir wollen unsere Eigenständigkeit und die regionale Versorgung durch gezielte Kooperationen stärken und dadurch Synergien entwickeln.“ Schnell: „Wir brauchen über 100 km Leitungsnetz, um 5.000 Menschen zu versorgen. Andere benötigen 1 km für die Versorgung von 5.000 Menschen.“ Daher sei die regionale Wasserversorgung auch künftig auf eine staatliche Unterstützung angewiesen. Dies sei um vieles wirtschaftlicher als teures Fernwasser aus Tschechien zu beziehen.

Lob des Landrats

Den Reigen der Grußworte eröffnete Landrat Ben Schwarz. Er brachte seine Hochachtung für jene zum Ausdruck, die seinerzeit den Zweckverband gegründet haben. Schwarz: „Das war mutig, weitsichtig und ein wegweisender Schritt in der Sicherstellung einer verlässlichen und qualitativ hochwertigen Wasserversorgung für unsere Gemeinden.“ Sein Kompliment sprach er auch für viele Entscheidungen zu Investitionen und Weiterentwicklungen aus. „Die Heidenberg-Gruppe steht gut da, die Menschen können ein gutes Gefühl haben, wenn sie den Wasserhahn aufdrehen.“

In seiner Festrede unterstrich der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg die Bedeutung der regionalen Trinkwasserversorgung. Die langjährige zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser sei eine Leistung, auf die man mit Stolz zurückblicken kann. Müller: „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge und dem Wohl der Allgemeinheit.“ Mit Blick auf die Zukunft wies Müller darauf hin, dass der fortschreitende Klimawandel und die prognostizierten Folgen für die Grundwasserneubildung sowohl die Wasserversorger als auch die Verbraucher herausfordere. Lob zollte er den engagierten Mitarbeitenden und der Verbandsspitze für die die rasche Umsetzung der Trinkwassereinzugsgebieteverordnung und die Fortschreibung der Schutzgebietskulissen. 

Gutes Miteinander

Kreisbäuerin Monika Volkert aus Kammerstein bedankte sich namens des Bauernverbandes für die gegenseitige Wertschätzung und das gute Miteinander von Landwirtschaft und Zweckverband. Den Wasserverbrauch bei der Erzeugung von Lebensmitteln müsse man global sehen. Den sinkenden Grundwasserständen und dem fortschreitende Klimawandel müsse man durch Versickern sowie Zurückhalten und Speichern des Wassers begegnen. Daher gehe der schonende Umgang mit der Ressource Wasser alle an.

Lobende Worte fand auch Ingrid Bär, die Leiterin des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg. „Der Zweckverband Heidenberg-Gruppe steht für Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und vorbildliche Versorgungssicherheit.“ So seien die Ziele von Versorgungsqualität bis Versorgungssicherheit, die sich der Zweckverband setzt, richtig und brandaktuell.

Ehrungen für langjährigen Dienst

Für ihren langjährigen engagierten Einsatz wurden von Walter Schnell amtierende und ehemalige Verbandsräte geehrt. Für 15 Jahre wurden Richard Götz jun., Klaus Götz, Hermann Nachtrab jun., Ewald Rühl, Albert Köhler, Werner Bäuerlein ausgezeichnet. Eine Urkunde für 20 Jahre erhielten Helmut Bauz, Heinrich Muschweck, Georg Schnell, Jens Warnecke, Hans-Heinrich Sommer und Robert Reichel. 25 Jahre war Hans Zeiner für den Zweckverband im Einsatz, auf stolze 40 Jahre kann Konrad Ammon aus Mildach zurückblicken. Auf eine zehnjährige Dienstzeit als Wasserwart kommt mittlerweile sein Sohn Thomas Ammon. Auch er durfte sich über eine Ehrung freuen.

Bürgermeister beim Trinkwassertest

Auch die Vertreter der Verbandskommunen Bürgermeisterin Susanne König aus Abenberg, Bürgermeister Helmut Bauz aus Büchenbach, Bürgermeister Wolfram Göll aus Kammerstein und Bürgermeister Erwin Dürr aus Rohr mussten ihr Geschick unter Beweis stellen. Sie durften Trinkwasser von verschiedenen benachbarten Wasserversorgern testen und sollten die Herkunft erkennen. Die Tester waren voll des Lobes für die unterschiedlichen Trinkwasserproben. Die richtige Zuordnung erwies sich allerdings als durchaus schwierig.

In seinem Schlusswort bedankte sich der Stv. Verbandsvorsitzende Hans-Heinrich Sommer aus Götzenreuth bei allen Rednern und Helfern, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben.


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